Fidlock setzt seit 15 Jahren auf Magnetkraft

Die Geschichte ist wirklich lesebuchreif: Es war einmal ein professioneller Cellist, der sich täglich darüber ärgerte, dass er mindestens ein Knie und zwei Hände brauchte, um dem Cellokasten den Bogen zu entnehmen, der dort mit einem per Druckknopf verschlossenen Lederriegel gesichert war. Joachim Fiedler löste das Problem, indem er einen magnet-mechanischen Verschluss erfand, der sich praktisch von selbst verriegelte und mit einem Handgriff wieder öffnen ließ. Dem ersten Patent folgten 400 weitere, und 15 Jahre später setzt Fiedlers Unternehmen Fidlock weltweit rund 28 Millionen Euro um. Seit 2016 bringt die Firma, die sich zunächst fast ausschließlich auf das B2B-Geschäft mit Komponenten für andere ­Hersteller konzentrierte, Premium-Magnet-­Accessories unter eigener Marke auf den Markt. Darunter sind z. B. praktische Lösungen für Biker, innovative Smartphone-Hüllen sowie pfiffiges ­Zubehör für Hobby- und Profifotografen.

Dass dem ersten Patent für den magnet-mechanischen Verschluss ­bisher rund 400 weitere folgten, ist kein Zufall, denn das Anwendungsspektrum für die Verschlüsse, die sich praktisch von selbst sicher verriegeln und mit einem Handgriff wieder ­öffnen lassen, ist praktisch unbegrenzt. ­Fidlock Komponenten stecken darum in zahlreichen Produkten anderer Hersteller, von Schuhen weltbekannter Marken wie Nike über Rucksäcke bis zu Fahrradhelmen für Kinder und ­Erwachsene. Der letztgenannte Bereich zeigt das große Potential der magnet-mechanischen ­Verschlüsse: Sie sind nicht nur praktisch in der Bedienung, sondern auch so sicher, dass sie die strengen gesetzlichen Vor­gaben für Helme erfüllen können.

Kein Wunder, dass die Komponenten millionenfach verkauft werden – und das weltweit. Fidlock ist mit knapp 100 Mitarbeitern und 60 Distributionspartnern in rund 40 Ländern tätig. Und der Unternehmensgründer Joachim Fiedler, der bis heute seiner Firma mit einem 25-köpfigen Entwicklerteam vorsteht, wurde in diesem Jahr vom Europäischen Patentamt für den Europäischen Erfinderpreis 2022 nominiert. Am Ende gewann zwar ein kreativer Kopf aus der Medizintechnik, aber Fiedler schaffte es, gemeinsam mit drei weiteren Kandidaten in die engere Wahl für den Preis in der Kategorie der kleinen und mittelständischen Unternehmen.

Für Radfahrer, Fotografen und andere

Die ersten Consumer-Produkte unter eigener Marke entwickelte Fidlock für die Fahrradbranche, mit der das Unternehmen bereits durch seine Helmverschlüsse vertraut war. Auch hier ­wandte sich Fidlock wieder einem Problem mit hohem Frustationspotential zu: Während es mit herkömmlichen Systemen nicht wirklich einfach ist, während der Fahrt eine am Rahmen befestigte Trink­flasche zu nutzen und danach wieder zu verriegeln, ­kombinierte er für das Verschlusskonzept Twist die Kraft von Magneten mit einer sicheren mechanischen Rastung, die auch starken Belastungen gewachsen ist. Trotz dieses offensichtlichen Vorteils war der Start mit den ersten Twist Produkten nicht leicht, denn sie sind deutlich teurer als die bisherigen Lösungen. „Die Branche hielt es für unmöglich, dass die Kunden für eine Trinkflasche mit Halterung rund 40 Euro ausgeben“, erzählt Joachim Fiedler. „Wir waren dagegen von unserer Lösung so überzeugt, dass wir sie einfach unter eigener Marke auf den Markt brachten.“ Mit Erfolg: In der ZEG, die als Europas führende Einkaufsgemeinschaft in diesem Segment rund 1.000 Zweirad-Fachhändler ver­einigt, ist das Produkt von Fidlock inzwischen die ­umsatzstärkste ­Flasche. Zudem hat das Unternehmen bereits rund 250.000 Fahrräder mit dieser Lösung ab Werk ausgestattet.

Inzwischen nutzt Fidlock das Twist Verschlusskonzept auch für andere Produkte, z. B. die brandneue Twist Essential Bag. Diese Tasche, die sich ähnlich wie eine Trinkflasche mit einem Handgriff am Fahrradrahmen befestigen bzw. abnehmen lässt, ist z. B. für Fotografen geeignet, die bis zu 700 g Zubehör auch  in rauhem Gelände sicher transportieren wollen. Zur Ausstattung der Twist Essential Bag, die in zwei Größen jeweils in Schwarz bzw. mit grüner oder blauer Kontrasteinfassung ab 79,99 Euro (UVP) erhältlich ist, gehört auch ein Tragegurt – natürlich mit magnet-mechanischer Schnalle.

Für Smartphones und Kameras

Das Foto-Segment gehört derzeit zu den wichtigsten, strategischen Wachstumsfeldern von Fidlock. Dabei will das Unternehmen Smartphone-Knipser und anspruchsvolle Kameranutzer gleichermaßen ansprechen. So schützen die Smartphone-Taschen der ­Hermetic Dry Bag Produktlinie das Mobilgerät zuverlässig gegen Schmutz, Staub und Wasser. Die magnet-mechanische Verriegelung schließt sich praktisch von allein, und das geht so schnell, dass die Smartphone-Tasche unter Umständen beim Eintauchen bereits verschlossen ist, wenn sie jemandem in offenem Zustand versehentlich aus der Hand ins Wasser fällt. Garantieren kann Fidlock dieses Tempo allerdings nicht. Ein weiterer wichtiger Produktvorteil: Da die Hermetic Dry Bag aus einer transparenten, touchfähigen Folie besteht, kann das Smartphone auch bedient und genutzt werden, wenn es sich in der Tasche befindet. Das gilt auch für die Fotofunktion.

Bei der Produktlinie Vacuum, mit der Fidlock im vergangenen Jahr den Design & Innovation Award gewann, wird die Kraft von Magneten mit sicherem Halt durch Unterdruck kombiniert. So lassen sich Smartphones ganz einfach an einem Stativ, dem Fahrrad oder dem Armaturenbrett im Auto befestigen. Dafür bietet Fidlock verschiedene Halterungen an, um das entweder in einer Tasche oder in einer kompatiblen ­Hülle untergebrachte Smartphone zu be­­festigen. Für Smartphone-Hüllen anderer Fabrikate gibt es das Uni Phone Patch zum Aufkleben. In jedem Fall sind die Mobil­geräte auf der Halterung nicht nur sicher untergebracht, sondern lassen sich durch das einfache Betätigen eines Hebels an der Seite auch schnell wieder lösen. Auch für anspruchsvolle Fotografen mit hochwertigen Aus­rüstungen hat Fidlock ebenfalls Lösungen im Programm. So stellte das Unternehmen vor einigen Monaten den magnet-mechanischen Kameragurt SnapSnap vor, der für mittlere und große Kameras mit schweren Objektiven bis zu einer Traglast von 10 kg geeignet ist. In Verbindung mit einem Rucksack funktioniert SnapSnap zum einen als Tragesystem, das automatisch in die entsprechenden Konnektoren einrastet und für eine ausgezeichnete Balance sorgt, indem das Gewicht über den Oberkörper verteilt und der Nacken vollständig entlastet wird. Wird die Kamera zum Fotografieren ans Auge geführt, lösen sich die Verriegelungen am Rucksack praktisch von selbst, und damit der Objektivdeckel nicht verloren geht, kann er mit dem SnapSnap Lens Cap Clip mit einem Handgriff am Schultergurt des Rucksacks sicher untergebracht werden – natürlich mit Magnetkraft.

Die Fotoprodukte von Fidlock haben innerhalb kurzer Zeit viele zufriedene Käuferinnen und Käufer gefunden. So wurde der Auftritt des Unternehmens auf dem Foto­festival in Zingst zu einem vollen Erfolg, auch die Zusammen­arbeit mit führenden Fachhändlern hat bereits begonnen. Und auf jeden Fall kann man sicher sein, dass aus der Fidlock Entwicklungsabteilung noch viele pfiffige Lösungen kommen werden. Ob sie so weit gehen wie ­Joachim Fiedlers Kindheitstraum, kann man natürlich nicht wissen: Schon als Schüler skizzierte der Erfinder bereits einen Mähdrescher, der vorne das Korn drosch und hinten die Marme­ladenbrote ausspuckte. Allerdings dürfte die Zielgruppe für dieses­ ­Produkt auch relativ klein sein.