Erben entsenden Friege in den Vorstand

Nach Ansicht der Erben des Untenehmensgründers soll Dr. Christian Friege (links) auch nach Auslaufen seines derzeitigen
Vertrages CEO von Cewe bleiben. Dagegen strebt der Vorsitzende des Kuratoriums der Neumüller Cewe Color Stiftung, Dr. Rolf Hollander, eine Neubesetzung der Führungsposition an.

Alexander Neumüller, Destinatär der Neumüller Cewe Color Stiftung und Erbe des Firmengründers, hat die Cewe Stiftung & Co. KGaA über seinen Beschluss informiert, Dr. Christian Friege nach Ablauf seines derzeitigen Vertrages als CEO in den Vorstand der Neumüller Cewe Color Stiftung zu berufen. Damit macht Neumüller von seinem Sonderrecht als Destinatär der Stiftung Gebrauch, ein Vorstandsmitglied zu berufen. Friege habe diese Entsendung angenommen und werde ­seine Tätigkeit im Vorstand somit über den 31.12.2022 hinaus weiterführen, erklärte Cewe.

Die Entscheidung Neumüllers erfolgte vor dem Hintergrund, dass der Vorsitzende des Kuratoriums der Neumüller Cewe Color Stiftung, Dr. Rolf Hollander, am 17. März die mehrheitlich getroffene Entscheidung des Gremiums bekanntgegeben hattte, den Ende dieses Jahres auslaufenden Vertrag mit Friege nicht zu verlängern ­(siehe imaging+foto-contact 4/2022, S. 2 – 5). Der Aufsichtsrat der Cewe Stiftung & Co. KGaA und die Gründerfamilie, die mit 27,1 Prozent der Anteile größter Aktionär des Unternehmens ist, haben sich dagegen für eine Vertragsverlängerung ausgesprochen.

Brief an die Mitarbeiter

Neumüller begründete am 29. April 2022 die Entsendung Frieges in den Vorstand in einem Brief an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Cewe: Darin betonte er, die Erben sähen sich in der Verantwortung, die Interessen der Cewe-Aktionäre, der Cewe-Mitarbeitenden und der Cewe-Kunden heute und in Zukunft zu schützen.

Wir veröffentlichen den Brief im Wortlaut:

„Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von CEWE, in Abstimmung mit meiner Schwester habe ich heute Herrn Dr. Christian Friege für die Zeit nach Auslaufen seines Vertrages wieder in den Vorstand berufen. Sie alle wissen, dass das Kuratorium eine solche Bestellung verweigert hatte – entgegen der Über­zeugung von Aufsichtsrat und uns als Gründerfamilie. Mit dieser Entscheidung machen wir von einem Recht in der ­Satzung der Neumüller CEWE Color ­Stiftung Gebrauch, das mein Vater an mich übertragen hat.

Wie Sie wissen, schalten wir uns nur in existenziellen Sondersituationen aktiv ein: In Situationen, in denen die Zukunft unseres börsennotierten Familienunternehmens auf dem Spiel steht. So, wie wir es beim Angriff der Hedge-Fonds getan haben. Denn wir als Gründerfamilie haben einen Auftrag, der weit über uns selbst hinausweist: Wir wollen die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens sicherstellen. Uns geht es um langfristiges Denken und um die Werte, für die CEWE steht. Darauf müssen sich Aktionäre, Mitarbeitende und unsere Kunden stets verlassen können.

In den vergangenen Wochen sind wir zur Überzeugung gelangt, dass wir uns nun erneut aktiv einbringen müssen, um die Interessen von Aktionären, Mitarbeitenden und Kunden zu schützen. Nur darum kann es gehen. Reputation und Unternehmenskultur von CEWE haben großen Schaden genommen. Darin liegt ein immenses Risiko. Denn diese Kultur schützte in der Vergangenheit stets ­unsere Werte. Diskussionen bei CEWE waren immer davon geprägt, dass sich das bessere Argument in einer dann gemeinsamen Entscheidung durchsetzen solle.

Manche von Ihnen haben jetzt zu mir gesagt: „Das ist nicht mehr mein Unternehmen!“. Und ich stimme Ihnen zu: Es ist so auch nicht mehr die Unternehmenskultur, für die wir als Familie Neumüller uneingeschränkt stehen und die eine Kontinuität mit den Mitarbeitenden auf allen Ebenen einschließt. Das wollen wir wieder stärken und dazu beitragen, zurück zu den CEWE-Tugenden zu finden. Tugenden, die CEWE über Jahrzehnte stark gemacht haben und die dazu beigetragen haben, zahlreiche Transformationen erfolgreich zu bewältigen.

Wir möchten, dass wir alle wieder gemeinsam und verlässlich an der Zukunft des Unternehmens arbeiten können – und nicht gegeneinander. Wir wollen, dass unterschiedliche Vorstellungen intern offen – übrigens auch ergebnisoffen – diskutiert werden und nicht in der Öffentlichkeit ausgetragen werden. Das Unternehmen lebt vom Teamgeist. Deshalb sollten nicht ­einzelne ihre Vorstellungen durchsetzen, sondern auf der Grundlage eines fairen Diskurses in den wichtigen Fragen einen Konsens erzielen. Auch der Vorstand muss wieder die Freiheit haben, gemeinsam und uneingeschränkt das operative Geschäft zu managen.

Der gesamte Vorstand, der in den vergangenen Jahren mit Ihnen allen gemeinsam CEWE hervorragend geführt und entwickelt hat, genießt unser volles und uneingeschränktes Vertrauen. Und selbstverständlich stehen wir aus ganzer Überzeugung zu CEWE. Wir sehen uns in der Verantwortung, die Inter­essen der CEWE-Aktionäre, der CEWE-Mitarbeiter und der CEWE-Kunden zu schützen. Heute und in Zukunft.

Wir bitten Sie, gemeinsam als Team mit Herrn Dr. Friege wieder allen Fokus auf unsere Kunden und auf die Zukunft von CEWE zu legen. Mit Corona, der Ukraine-Krise, einer drohenden Inflation und einer möglichen Rezession sind die Herausforderungen in unseren dynamischen Märkten ohnehin groß genug. Wir als Gründerfamilie wünschen uns, dass CEWE wieder für ein vertrauensvolles und verlässliches Miteinander steht. 

Ganz herzlichen Dank für Ihre ­Unterstützung und Ihre großartige Arbeit für CEWE!

Ihr Alexander Neumüller

Reaktion aus dem Kuratorium

Der Vorsitzende des Kuratoriums der Neumüller Cewe Color Stiftung zeigte sich von Neumüllers Schachzug unbeeindruckt. Die Entsendung eines ­Vorstands sei „das gute Recht” von Neumüller als Destinatär, sagte Dr. Rolf Hollander der Nordwest-­Zeitung. 

An den grundsätzlichen ­Sachverhalten und an den Gründen, die aus Sicht der Mehrheit des ­Kuratoriums gegen eine Verlängerung des Vertrages mit Friege sprechen, habe sich aber nichts geändert. ­Deshalb sei das Kuratorium dabei, einen Personalberater mit der Suche nach einem neuen Vorstandsvorsitzenden ab dem 1. Januar 2023 zu ­beauftragen. Er gehe davon aus, dass der neue Vorstandschef in drei bis vier Monaten feststehe, erklärte Hollander.

Neumüller hofft dagegen auf eine Meinungsänderung im Kuratorium. „Ich hoffe, dass das Kuratorium das Signal verstanden hat und im Sinne der Mitarbeitenden, Kunden und ­Aktionäre entscheidet, dass Christian Friege nun Vorstandsvorsitzender bleibt,” sagte der Erbe des Unter­nehmensgründers der Nordwest-­Zeitung. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass das Kuratorium einen dauerhaften Konflikt in das Unternehmen tragen und die Unternehmenswerte gefährden möchte.“